Griechenland hatte eine Experten-Regierung und Italien leidet ebenfalls unter einer solchen. Jetzt gerade, während ich diesen Text schreibe, sitzen die Politiker in Athen mit ihrem Staatspräsidenten zusammen, um über eine erneute Experten-Regierung zu verhandeln. Die Demokraten, die Parteibonzen, haben es nicht geschafft, sich untereinander zu einigen. Jetzt rufen sie, wie nach einer unglücklichen Schulhof-Rauferei, nach ihrem Papa.
Es ist bezeichnend und zugleich ein Armutszeugnis für den Dienstwagenadel, sich diese Expertise nicht zuzutrauen. Das Endstadium einer Parteiendemokratie, der Zerfall, wird durch den Mangel an Sachverstand beschleunigt. Ein Monarch, ein Diktator und sogar eine Einheitspartei wird Fachministerien mit Fachleuten besetzen, zumindest auf Beamtenebene. Günstlinge und verdiente Parteigenossen erhalten Orden und schöne Titel, werden aber auf Posten abgeschoben, auf denen sie keinen Schaden anrichten können.
In einer Demokratie – und nach einer Revolution – ist das anders. Die Griechen haben es etwas intensiver getrieben als die BRD, das Prinzip durch- und zersetzt jedoch alle Parteidemokratien. Zuallererst gilt das Gesetz der führenden Null, also des Ministers, der keine Ahnung hat, aber ein guter Parteisoldat ist. Er oder sie hat dem großen Genossen Parteivorsitzenden gute Dienste geleistet, und wenn der jetzt Kanzler oder Premierminister wird, bekommt der Parteisoldat sein Ämtchen. Natürlich gelten noch Hintergrundregeln. Bayern hat sieben Regierungsbezirke, aus jedem muß mindestens ein Minister kommen. Die Bundesregierung tariert zwischen Ost und West, evangelisch und katholisch, Arbeitern und Selbständigen, Männlein und Weiblein und den Landesverbänden der größten Regierungspartei.


Ja, so haben’s wir gelernt – ein Leben lang! Besser: so ist’s uns gelehrt worden. Von den Gelehrten und Autoritäten. Kinder und Jugendliche verinnerlichen natürlich solche Lehre. Bis heute! Die Eltern haben uns zwar gesagt, daß alles ein bißchen anders gewesen wäre, aber das verstärkt ja eher noch die Kritik in der Phase jugendliche Rebellion. Und so erinnere ich mich an nächtelange erregte bis verzweifelte Diskussionen mit dem Vater, besonders wenn wir zuvor zu Schrumpfköpfen, Lampenschirmen aus Menschenhaut, Erschießungsanlagen und Gaskammern in Buchenwald geführt wurden. Doch ist nicht auch die Vorsicht der Eltern gegenüber ihren Kindern verständlich, ihnen nicht alles zu sagen, was sie wissen? Um der Entwicklung und Zukunft ihrer Kinder willen. Damals wie heute – leider!









